Erste Hilfe: Was tun bei Verbrennungen? Richtig reagieren und behandeln

Es passiert blitzschnell: Einmal nicht aufgepasst und schon hast du dich oder hat sich jemand anders in deinem Umfeld verbrannt. Wie du Verbrennungen sofort richtig behandelst und worauf du achten solltest.

Autor: Dr. Philipp Sternbach – Allgemeinmediziner und Notarzt bei haelsi

Einmal nicht aufgepasst, einmal daneben gegriffen und schwups, schon ist es passiert - verbrannt! Was bei einer Verbrennung zu tun ist und was du sonst noch wissen solltest, liest du hier.

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Wie entsteht eine Verbrennung? Die häufigsten Ursachen

Verbrennungen sind eine sehr häufige Verletzungsgruppe und kommen zu bestimmten Jahreszeiten gehäuft vor: z. B. um die Weihnachtszeit oder in der Grillsaison. Viele Verbrennungen passieren in den heimischen Haushalten, bei ganz alltäglichen Tätigkeiten wie Kochen & Co. Leider kommen Verbrennungen auch bei Kindern häufig vor, da sie die Gefahr oftmals nicht richtig einschätzen können.

Unter Verbrennung versteht man eine Wunde, die durch große Hitzeeinwirkung entsteht und die Körperoberfläche schädigt.

Die Ursachen der Verbrennung können neben offenem Feuer auch heiße Oberflächen (z. B. Herdplatten), heiße Flüssigkeiten, Dämpfe, Reibung (vergl. Blasen an den Füßen), Säuren und Laugen sein. Bei Letzteren spricht man zwar im deutschen Sprachgebrauch von Verätzungen, im englischen Fachvokabular werden derartige Verletzungen jedoch als „chemical burn“, also als "chemische Verbrennung" definiert.

Verbrennungen werden nach Schweregraden eingestuft. Je nach Tiefe der Schädigung bzw. der Zahl an verletzten Hautschichten wird die Verbrennung in folgende Grade eingeteilt:

Wann ist es eine Verbrennung 1. Grades?

  • Äußerliche Anzeichen: Rötung, Schmerzen und Schwellungen erkennbar
  • betrifft primär die oberste Hautschicht (Epidermis) und heilt in der Regel komplikationslos ab

Wann ist es eine Verbrennung 2. Grades (A und B)?

Verbrennung 2. Grades A:

  • Hierbei kommt es bereits zu einer Schädigung der oberen Dermis, also eine Schicht unterhalb der Epidermis. 
  • Im Zuge dessen kommt es neben den genannten Symptomen beim Verbrennungsgrad 1 auch zu einer Blasenbildung („Brandblase“). 
  • Eine Abheilung erfolgt zwar noch komplikationslos, hinterlässt jedoch meist einen Pigmentfleck.

Verbrennung 2. Grades B:

  • Die Dermis wird bis zu den unteren Schichten geschädigt.
  • Die Schädigung betrifft dann auch schon die Nervenenden, weshalb bei diesem Grad im Regelfall weniger Schmerzen wahrgenommen werden.
  • Die Haut sieht deutlich dünkler aus, die Brandblasen können teilweise aufplatzen und Flüssigkeit entleeren.
  • Die Abheilung geschieht von selbst, hinterlässt jedoch eine Narbe. (Allgemeinärzt:innen oder Hautärzt:innen können dir bei der Behandlung von Narben gute Tipps geben.) 

👉 Verbrennungen ab dem 2. Grad und ab einer Größe von etwa einer Handfläche (Patienten-Hand!) sollten ärztlich abgeklärt und behandelt werden!

Wann ist es eine Verbrennung 3. (und 4.) Grades?

  • Hier wird in manchen Fachbüchern noch eine Unterteilung in Grad 3 und Grad 4 vorgenommen, in der Regel ist dies für Laien aber nicht mehr zu unterscheiden.
  • Die Haut ist komplett verkohlt.
  • Der Schaden reicht in dem Fall bis zu den unterliegenden Muskeln oder Knochenschichten und die Haut ist somit unwiederbringlich zerstört.

Erste Hilfe: So kannst du eine Verbrennung sofort richtig behandeln

Bei Verbrennungen zählt schnelles Reagieren! Wenn du die Verletzung rasch und richtig behandelst, kannst du weiteren Schädigungen vorbeugen. 

Das sind die 3 wichtigsten Sofortmaßnahmen:

  • Wichtigste Erstmaßnahme: Kühlen! 
    Mindestens 5-10 Minuten mit möglichst kaltem Wasser, idealerweise fließendes Wasser.

    💡 Warum so lange kühlen? Weil du nur so die Verbrennung wirklich stoppst und die Haut vollständig kühlst. Hierzu ein kleines Beispiel aus meinem Leben: Ich esse morgens gerne ein weiches oder hartes Ei (je nachdem ob ich den Herd rechtzeitig ausschalte). Schrecke ich das Ei nun für etwa 2-3 Minuten ab, ist das innere danach noch lauwarm. Würde ich wollen, dass der Dotter bis zum Zentrum abgekühlt ist, müsste ich das Ei mindestens 5-10 Minuten abkühlen. (Dann würde es aber natürlich nicht mehr so gut schmecken.)
     
  • Wundauflage verwenden: Ein weiterer wichtiger Punkt in der Erstversorgung ist die sterile Abdeckung von Verbrennungswunden. Hierfür gibt es spezielle Wundauflagen, welche mit einer Silberschicht bedampft sind, sodass sich keine Fasern ablösen können. Andernfalls könnte die Kompresse mit der Wunde verkleben und so beim Abnehmen zu einem Wiederaufreißen der Verbrennung führen.
     
  • Ggf. Arzt oder Krankenhaus aufsuchen: Dritte und letzte entscheidende Maßnahme: je nach Tiefe und Ausmaß der Verbrennung sollte ein:e Ärzt:in oder Krankenhaus aufgesucht werden bzw. die Rettung gerufen werden.

    👉 Verbrennungen ab dem 2. Grad und ab einer Größe von etwa einer Handfläche (Patienten-Hand!) sollten ärztlich abgeklärt und behandelt werden!

Vorsicht vor Flüssigkeitsverlust bei Verbrennung: Schockzustand möglich

Eine zusätzliche Komplikation bei Verbrennungen, welche für die weitere Behandlung auch sehr problematisch werden kann, ist der Flüssigkeitsverlust. Durch die Zerstörung von kleinsten Gefäßen in der Haut tritt (mitunter viel) Flüssigkeit aus dem Blutkreislauf in das betroffene Gewebe ein. Die Folge: Verbrennungsopfer können in einen Schockzustand rutschen, so als hätten sie mehrere Liter Blut verloren (was indirekt auch stimmt).

Wie eingangs erwähnt passieren in Wien und ganz Österreich vor allem um die Weihnachtszeit gehäuft Verbrennungen. Weihnachten und Silvester mögen zwar vorbei sein, jedoch gibt es schon bald ein saisonales Comeback der Verbrennungen: typischerweise im Frühling, wenn die ersten Griller angeheizt werden. Dann solltest du dir wieder die allerwichtigste Maßnahme der Erstversorgung ins Gedächtnis rufen: Kühlen! Kühlen! Kühlen! Und das mindestens 5-10 Minuten.

Autor: Dr. Philipp Sternbach – Allgemeinmediziner und Notarzt bei haelsi