Welche Hormontherapie passt zu mir?

Perimenopause6 minvon Dr. Christopher Pivec
Drei Frauen in schlichten Bodys stehen nebeneinander, eine legt die Hand auf den Arm der anderen

Du hast dich informiert, Nutzen und Risiken abgewogen und bist zu dem Entschluss gekommen: Eine Hormontherapie könnte für dich infrage kommen. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Tablette oder Pflaster? Östrogen allein oder in Kombination? Und was ist eigentlich mit mikronisiertem Progesteron?

Gleich vorweg: Die beste Hormontherapie für die Wechseljahre gibt es nicht. Es gibt aber die Therapie, die am besten zu dir und deiner Situation passt. Deine Beschwerden, deine Lebensphase und deine Gesundheit spielen dabei eine wichtige Rolle. Dieser Artikel hilft dir, deine Optionen einzuordnen und die verschiedenen Wirkstoffe, Arten und Anwendungen zu verstehen. So gehst du gut vorbereitet ins Gespräch mit deiner Frauenärzt:in.

Diese Fragen entscheiden, welche Hormontherapie zu dir passt

  • Hast du noch eine Gebärmutter? Davon hängt ab, ob zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen nötig ist.
  • Hast du noch eine Periode? Davon hängt ab, wie die Hormone kombiniert und eingenommen werden.
  • Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Hitzewallungen betreffen den ganzen Körper, vaginale Trockenheit lässt sich oft gezielt lokal behandeln.
  • Gibt es Risikofaktoren? Zum Beispiel für Thrombosen, Brustkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie beeinflussen, welche Anwendungsform besser geeignet ist.

Mehr zu Nutzen und Risiken einer Hormontherapie in den Wechseljahren

Die Wirkstoffe einer Hormontherapie in den Wechseljahren

Eine Hormontherapie führt Hormone von außen zu, um Wechselbeschwerden zu lindern. Wir erklären dir, welche Hormone dabei zum Einsatz kommen und wie sie wirken.

Östrogene

Östrogen ist der wichtigste Wirkstoff gegen typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafprobleme. Meist wird Estradiol eingesetzt, das dem körpereigenen Östrogen entspricht. Du kannst es als Tablette einnehmen oder als Gel, Pflaster oder Spray über die Haut aufnehmen. Über die Haut aufgenommen, ist das Thromboserisiko niedriger als bei Tabletten.

Gestagene

Frauen, die noch eine Gebärmutter haben, erhalten in der Regel zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen. Der Grund: Östrogen allein kann die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregen. Das Gestagen schützt die Schleimhaut und wirkt diesem Effekt entgegen. Häufig kommt dafür mikronisiertes Progesteron zum Einsatz, das dem körpereigenen Progesteron entspricht. Es kann als Kapsel eingenommen oder vaginal angewendet werden. Daneben gibt es weitere Gestagene, die beispielsweise als Tablette oder über eine Hormonspirale verabreicht werden können. Nach einer Gebärmutterentfernung ist ein Gestagen meist nicht nötig.

Lokale Östrogene

Stehen Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex oder wiederkehrende Blasenentzündungen im Vordergrund, hilft oft eine lokale Behandlung. Niedrig dosiertes Östrogen, etwa Estriol oder Estradiol, wird dabei als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring direkt in der Scheide angewendet. Es wirkt vor allem dort und kaum im restlichen Körper.

Weitere Wirkstoffe

In bestimmten Fällen kommen auch andere Präparate infrage. Tibolon ist ein künstlicher Wirkstoff, der im Körper ähnlich wie Östrogen, Gestagen und männliche Hormone wirkt. Bei anhaltender Lustlosigkeit kann deine Frauenärzt:in in Einzelfällen auch eine niedrig dosierte Testosterontherapie in Betracht ziehen.

Tablette, Pflaster, Gel oder Spray: Die Anwendungsformen im Vergleich

Östrogen kann auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen. Das beeinflusst nicht nur den Alltag, sondern auch das Risikoprofil.

Tablette

So funktioniert's

einmal täglich schlucken

Vorteile

einfach in der Anwendung, oft als Kombipräparat mit Gestagen erhältlich

Nachteile

wird über die Leber verarbeitet

Risiken

höheres Risiko für Thrombosen, Schlaganfall und Gallensteine als bei Anwendung über die Haut

Pflaster

So funktioniert's

auf die Haut kleben, 1- bis 2-mal pro Woche wechseln

Vorteile

gleichmäßige Hormonabgabe, du musst nicht täglich daran denken

Nachteile

kann sich beim Schwitzen oder Duschen lösen

Risiken

Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Hautreizungen möglich

Gel

So funktioniert's

täglich auf die Haut auftragen

Vorteile

Dosis lässt sich gut anpassen

Nachteile

muss einige Minuten einziehen

Risiken

Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Hormone können durch Hautkontakt auf andere übertragen werden, z. B. auf Kinder

Spray

So funktioniert's

täglich auf die Haut sprühen

Vorteile

zieht schnell ein, unkomplizierte Anwendung

Nachteile

Dosis lässt sich weniger fein anpassen als beim Gel

Risiken

Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Übertragung durch Hautkontakt möglich

Vaginal (Creme, Zäpfchen, Ring)

So funktioniert's

je nach Präparat täglich bis alle 3 Monate in der Scheide anwenden

Vorteile

wirkt gezielt vor Ort, kaum Hormone gelangen ins Blut

Nachteile

hilft nur bei Beschwerden im Intimbereich, nicht bei Hitzewallungen

Risiken

kaum Risiken für den ganzen Körper. Gelegentlich örtliche Reizungen

Welche Hormontherapie passt zu welcher Lebenssituation?

Die folgenden Beispiele zeigen, wie die Wahl je nach Situation aussehen kann. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, helfen dir aber, deine eigene Situation besser einzuordnen.

Du hast noch deine Periode, aber schon Hitzewallungen

Du bist in der Perimenopause, deine Periode kommt noch, aber Hitzewallungen machen dir schon zu schaffen? Dann kann eine sogenannte sequentielle Hormontherapie für dich infrage kommen. Dabei bekommst du meist weiterhin eine regelmäßige Blutung. Möchtest du gleichzeitig verhüten, kann eine Hormonspirale den Gestagen-Anteil übernehmen. Das Östrogen wendest du dann zusätzlich an, zum Beispiel als Gel oder Pflaster.

Deine letzte Periode liegt mehr als ein Jahr zurück

Nach der Menopause kommt oft eine kontinuierlich kombinierte Hormontherapie infrage. Dabei wendest du Östrogen und Gestagen täglich und ohne Pause an. In den ersten Monaten kann es noch zu Schmier- oder unregelmäßigen Blutungen kommen, später bleibt die Blutung meist ganz aus.

Deine Gebärmutter wurde entfernt

Wenn du keine Gebärmutter mehr hast, reicht in vielen Fällen Östrogen allein. Ein zusätzliches Gestagen brauchst du dann meist nicht, denn es dient vor allem dem Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Eine Ausnahme kann eine frühere Endometriose sein: Hier kann auch nach einer Gebärmutterentfernung eine kombinierte Hormontherapie sinnvoll sein.

Dich belastet vor allem Scheidentrockenheit

Hier hilft oft eine lokale Hormontherapie mit niedrig dosiertem Östrogen, die du direkt in der Scheide anwendest. Sie wirkt genau dort, wo du die Beschwerden hast. Hast du zusätzlich Hitzewallungen, lässt sich die lokale Therapie auch mit einer Hormontherapie für den ganzen Körper kombinieren.

Du hast ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dann ist eine besonders sorgfältige Abwägung wichtig. Je nach deinem persönlichen Risiko kann Östrogen über die Haut, also als Pflaster, Gel oder Spray, eine gute Option sein. Auch die Wahl des Gestagens spielt dabei eine Rolle. Deine Frauenärzt:in schaut sich deine Situation genau an und findet mit dir die sicherste Lösung.

Deine Wechseljahre haben früh begonnen

Beginnen die Wechseljahre vor dem 40. Lebensjahr (vorzeitige Menopause) oder vor dem 45. Lebensjahr (frühe Menopause), kann eine Hormontherapie bis zum durchschnittlichen Menopausenalter sinnvoll sein. Dabei geht es nicht nur darum, Beschwerden zu lindern. Die Therapie kann auch deinen Körper vor den Folgen eines frühen Hormonmangels schützen, zum Beispiel deine Knochen.

Eine Hormontherapie kommt für dich nicht infrage

Du kannst oder möchtest keine Hormone nehmen? Auch dann musst du deine Beschwerden nicht einfach aushalten. Es gibt hormonfreie Medikamente und andere Ansätze, die dir helfen können. Welche Möglichkeit zu dir passt, hängt von deinen Beschwerden und deiner persönlichen Situation ab. Am besten findest du das gemeinsam mit deiner Frauenärzt:in heraus.

Zu Nahrungsergänzung als Hormontherapie-Alternative

Fazit

Am Ende geht es nicht darum, die eine „richtige“ Hormontherapie zu finden. Entscheidend ist, wie Wirkstoff, Dosierung und Anwendung zu deinen Beschwerden und deiner Situation passen. Dabei kann sich im Laufe der Zeit auch etwas verändern: Was heute gut funktioniert, muss nicht dauerhaft die beste Lösung sein. Gemeinsam mit deiner Frauenärzt:in kannst du die verschiedenen Möglichkeiten besprechen und die Therapie bei Bedarf anpassen.

Deine Frauenärzt:innen bei haelsi

Ob Perimenopause, Menopause oder die Zeit danach: Unsere Frauenärzt:innen beraten dich bei Wechselbeschwerden, besprechen mit dir, ob eine Hormontherapie für dich infrage kommt, und begleiten dich ärztlich.

OA Dr. Christian Reinwald

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Häufige Fragen

Nicht grundsätzlich, aber es hat ein anderes Risikoprofil. Östrogen über die Haut erhöht das Thromboserisiko laut Studien deutlich weniger als Tabletten. Für Frauen mit entsprechenden Risikofaktoren ist ein Pflaster, Gel oder Spray daher oft die bessere Wahl. Ohne Risikofaktoren können auch Tabletten gut geeignet sein.

  1. 1

    Gesundheitsportal Österreich: Wechseljahre – Therapie bei Beschwerden.

    https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/weibliche-hormone-zyklus/wechseljahre-therapie.html
  2. 2

    Mohammed K, et al.: Oral vs Transdermal Estrogen Therapy and Vascular Events: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 2015.

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26544651/
  3. 3

    Abdelrazeq SY, Kelly SE, Hsieh SC, et al.: Comparative Evidence Between Transdermal and Oral Menopausal Hormone Therapy. CDA-AMC Health Technology Review. Canada's Drug Agency. 2025.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK614933/
  4. 4

    Stute P, et al.: Progestogens for endometrial protection in combined menopausal hormone therapy – systematic review (2024).

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37634998/
  5. 5

    Weidlinger S: Testosteron bei verringerter Libido in der Postmenopause. Schweizer Zeitschrift für Gynäkologie. 2024;(1).

    https://www.rosenfluh.ch/gynaekologie-2024-01/testosteron-bei-verringerter-libido-in-der-postmenopause
  6. 6

    Inwald EC, Albring C, Baum E, et al.: Perimenopause and Postmenopause – Diagnosis and Interventions. Guideline of the DGGG and OEGGG (S3-Level, AWMF Registry Number 015-062, September 2020). Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 2021;81(6):612–636.

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34168377/
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    Erel CT, Nigdelis MP, Ozcivit Erkan IB, et al.: Endometriosis and menopausal health: An EMAS clinical guide. Maturitas. 2025;202:108715.

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378512225005237

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