Welche Hormontherapie passt zu mir?

Du hast dich informiert, Nutzen und Risiken abgewogen und bist zu dem Entschluss gekommen: Eine Hormontherapie könnte für dich infrage kommen. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Tablette oder Pflaster? Östrogen allein oder in Kombination? Und was ist eigentlich mit mikronisiertem Progesteron?
Gleich vorweg: Die beste Hormontherapie für die Wechseljahre gibt es nicht. Es gibt aber die Therapie, die am besten zu dir und deiner Situation passt. Deine Beschwerden, deine Lebensphase und deine Gesundheit spielen dabei eine wichtige Rolle. Dieser Artikel hilft dir, deine Optionen einzuordnen und die verschiedenen Wirkstoffe, Arten und Anwendungen zu verstehen. So gehst du gut vorbereitet ins Gespräch mit deiner Frauenärzt:in.
Diese Fragen entscheiden, welche Hormontherapie zu dir passt
- Hast du noch eine Gebärmutter? Davon hängt ab, ob zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen nötig ist.
- Hast du noch eine Periode? Davon hängt ab, wie die Hormone kombiniert und eingenommen werden.
- Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Hitzewallungen betreffen den ganzen Körper, vaginale Trockenheit lässt sich oft gezielt lokal behandeln.
- Gibt es Risikofaktoren? Zum Beispiel für Thrombosen, Brustkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie beeinflussen, welche Anwendungsform besser geeignet ist.
Mehr zu Nutzen und Risiken einer Hormontherapie in den Wechseljahren
Die Wirkstoffe einer Hormontherapie in den Wechseljahren
Eine Hormontherapie führt Hormone von außen zu, um Wechselbeschwerden zu lindern. Wir erklären dir, welche Hormone dabei zum Einsatz kommen und wie sie wirken.
Östrogene
Östrogen ist der wichtigste Wirkstoff gegen typische Beschwerden wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafprobleme. Meist wird Estradiol eingesetzt, das dem körpereigenen Östrogen entspricht. Du kannst es als Tablette einnehmen oder als Gel, Pflaster oder Spray über die Haut aufnehmen. Über die Haut aufgenommen, ist das Thromboserisiko niedriger als bei Tabletten.
Gestagene
Frauen, die noch eine Gebärmutter haben, erhalten in der Regel zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen. Der Grund: Östrogen allein kann die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregen. Das Gestagen schützt die Schleimhaut und wirkt diesem Effekt entgegen. Häufig kommt dafür mikronisiertes Progesteron zum Einsatz, das dem körpereigenen Progesteron entspricht. Es kann als Kapsel eingenommen oder vaginal angewendet werden. Daneben gibt es weitere Gestagene, die beispielsweise als Tablette oder über eine Hormonspirale verabreicht werden können. Nach einer Gebärmutterentfernung ist ein Gestagen meist nicht nötig.
Lokale Östrogene
Stehen Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex oder wiederkehrende Blasenentzündungen im Vordergrund, hilft oft eine lokale Behandlung. Niedrig dosiertes Östrogen, etwa Estriol oder Estradiol, wird dabei als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring direkt in der Scheide angewendet. Es wirkt vor allem dort und kaum im restlichen Körper.
Weitere Wirkstoffe
In bestimmten Fällen kommen auch andere Präparate infrage. Tibolon ist ein künstlicher Wirkstoff, der im Körper ähnlich wie Östrogen, Gestagen und männliche Hormone wirkt. Bei anhaltender Lustlosigkeit kann deine Frauenärzt:in in Einzelfällen auch eine niedrig dosierte Testosterontherapie in Betracht ziehen.
Tablette, Pflaster, Gel oder Spray: Die Anwendungsformen im Vergleich
Östrogen kann auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen. Das beeinflusst nicht nur den Alltag, sondern auch das Risikoprofil.
| Form | So funktioniert's | Vorteile | Nachteile | Risiken |
|---|---|---|---|---|
| Tablette | einmal täglich schlucken | einfach in der Anwendung, oft als Kombipräparat mit Gestagen erhältlich | wird über die Leber verarbeitet | höheres Risiko für Thrombosen, Schlaganfall und Gallensteine als bei Anwendung über die Haut |
| Pflaster | auf die Haut kleben, 1- bis 2-mal pro Woche wechseln | gleichmäßige Hormonabgabe, du musst nicht täglich daran denken | kann sich beim Schwitzen oder Duschen lösen | Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Hautreizungen möglich |
| Gel | täglich auf die Haut auftragen | Dosis lässt sich gut anpassen | muss einige Minuten einziehen | Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Hormone können durch Hautkontakt auf andere übertragen werden, z. B. auf Kinder |
| Spray | täglich auf die Haut sprühen | zieht schnell ein, unkomplizierte Anwendung | Dosis lässt sich weniger fein anpassen als beim Gel | Thrombose- und Schlaganfallrisiko laut Studien kaum erhöht. Übertragung durch Hautkontakt möglich |
| Vaginal (Creme, Zäpfchen, Ring) | je nach Präparat täglich bis alle 3 Monate in der Scheide anwenden | wirkt gezielt vor Ort, kaum Hormone gelangen ins Blut | hilft nur bei Beschwerden im Intimbereich, nicht bei Hitzewallungen | kaum Risiken für den ganzen Körper. Gelegentlich örtliche Reizungen |
Welche Hormontherapie passt zu welcher Lebenssituation?
Die folgenden Beispiele zeigen, wie die Wahl je nach Situation aussehen kann. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, helfen dir aber, deine eigene Situation besser einzuordnen.
Du hast noch deine Periode, aber schon Hitzewallungen
Du bist in der Perimenopause, deine Periode kommt noch, aber Hitzewallungen machen dir schon zu schaffen? Dann kann eine sogenannte sequentielle Hormontherapie für dich infrage kommen. Dabei bekommst du meist weiterhin eine regelmäßige Blutung. Möchtest du gleichzeitig verhüten, kann eine Hormonspirale den Gestagen-Anteil übernehmen. Das Östrogen wendest du dann zusätzlich an, zum Beispiel als Gel oder Pflaster.
Deine letzte Periode liegt mehr als ein Jahr zurück
Nach der Menopause kommt oft eine kontinuierlich kombinierte Hormontherapie infrage. Dabei wendest du Östrogen und Gestagen täglich und ohne Pause an. In den ersten Monaten kann es noch zu Schmier- oder unregelmäßigen Blutungen kommen, später bleibt die Blutung meist ganz aus.
Deine Gebärmutter wurde entfernt
Wenn du keine Gebärmutter mehr hast, reicht in vielen Fällen Östrogen allein. Ein zusätzliches Gestagen brauchst du dann meist nicht, denn es dient vor allem dem Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Eine Ausnahme kann eine frühere Endometriose sein: Hier kann auch nach einer Gebärmutterentfernung eine kombinierte Hormontherapie sinnvoll sein.
Dich belastet vor allem Scheidentrockenheit
Hier hilft oft eine lokale Hormontherapie mit niedrig dosiertem Östrogen, die du direkt in der Scheide anwendest. Sie wirkt genau dort, wo du die Beschwerden hast. Hast du zusätzlich Hitzewallungen, lässt sich die lokale Therapie auch mit einer Hormontherapie für den ganzen Körper kombinieren.
Du hast ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Dann ist eine besonders sorgfältige Abwägung wichtig. Je nach deinem persönlichen Risiko kann Östrogen über die Haut, also als Pflaster, Gel oder Spray, eine gute Option sein. Auch die Wahl des Gestagens spielt dabei eine Rolle. Deine Frauenärzt:in schaut sich deine Situation genau an und findet mit dir die sicherste Lösung.
Deine Wechseljahre haben früh begonnen
Beginnen die Wechseljahre vor dem 40. Lebensjahr (vorzeitige Menopause) oder vor dem 45. Lebensjahr (frühe Menopause), kann eine Hormontherapie bis zum durchschnittlichen Menopausenalter sinnvoll sein. Dabei geht es nicht nur darum, Beschwerden zu lindern. Die Therapie kann auch deinen Körper vor den Folgen eines frühen Hormonmangels schützen, zum Beispiel deine Knochen.
Eine Hormontherapie kommt für dich nicht infrage
Du kannst oder möchtest keine Hormone nehmen? Auch dann musst du deine Beschwerden nicht einfach aushalten. Es gibt hormonfreie Medikamente und andere Ansätze, die dir helfen können. Welche Möglichkeit zu dir passt, hängt von deinen Beschwerden und deiner persönlichen Situation ab. Am besten findest du das gemeinsam mit deiner Frauenärzt:in heraus.
Zu Nahrungsergänzung als Hormontherapie-Alternative
Fazit
Am Ende geht es nicht darum, die eine „richtige“ Hormontherapie zu finden. Entscheidend ist, wie Wirkstoff, Dosierung und Anwendung zu deinen Beschwerden und deiner Situation passen. Dabei kann sich im Laufe der Zeit auch etwas verändern: Was heute gut funktioniert, muss nicht dauerhaft die beste Lösung sein. Gemeinsam mit deiner Frauenärzt:in kannst du die verschiedenen Möglichkeiten besprechen und die Therapie bei Bedarf anpassen.







